Was können europäische Arbeitgeber tun, um die Produktivität anzukurbeln?

Was können europäische Arbeitgeber tun, um die Produktivität anzukurbeln?

 

Noch zehn Jahre nach der globalen Wirtschaftskrise wächst die Produktivität in Europa langsamer, als Sie vielleicht denken.

Für die vierte Auflage ihrer Studie The Workforce View in Europe hat ADP erneut über 10.500 Beschäftigte in acht Ländern befragt. Was ihre Gedanken über Hindernisse für Produktivität betrifft, so führten die Beschäftigten die bekannten Ablenkungen auf – zu viele Meetings, zu viele E-Mails, ineffiziente Prozesse und Technologien.

Seit der letztjährigen Umfrage hat sich nicht viel geändert. Das größte Hindernis, nämlich Führungsversagen, wird mittlerweile jedoch als noch größeres Problem wahrgenommen. Letztes Jahr meinten 19% der Beschäftigten, dass sie sich durch Führungsversagen blockiert fühlen. Dieses Jahr wurde dieses Problem in Deutschland von 24% der Befragten genannt (also etwas über dem europäischen Durchschnitt von 23%).

Wer ist an Führungsversagen schuld?

Es ist unwahrscheinlich, dass Führungskräfte plötzlich schlechter werden. Damit jemand Vorgesetzter wird, sollte diese Person eine gewisse Initiative oder Führungsqualität gezeigt haben, natürlich davon ausgehend, dass das Unternehmen über ein effektives Beurteilungssystem verfügt. Führungsversagen kann jedoch oft auf fehlende Unterstützung von ganz oben zurückzuführen sein.

Wenn Führungskräfte erfolgreich sein und dafür sorgen sollen, dass das Personal produktiver arbeitet, benötigen sie Folgendes:

  • Investitionen Entwicklung und Unterstützung sind unerlässlich, wenn Führungskräfte das Beste aus ihrer Belegschaft herausholen sollen. Sie benötigen einen strukturierten Prozess (was regelmäßiges und häufiges Feedback einbezieht), um auf Fähigkeiten und Kompetenzen aufzubauen.
  • Eine klare Vision Vorgesetzte müssen die Wachstumsstrategie ihres Unternehmens in Ziele für Teams und einzelne Mitarbeiter übersetzen. Es ist hilfreich, wenn das Unternehmen eine eigene Kultur hat und jeder die gemeinsamen Ziele versteht.
  • Kommunikation ‚Führungsversagen‘ kann einfach an schlechter Kommunikation liegen. Alle Mitarbeiter müssen verstehen, inwiefern ihre Rolle zum Erfolg des Unternehmens beiträgt. Dabei muss die Kommunikation in zwei Richtungen verlaufen, nicht nur von oben nach unten. Arbeitgeber sollten es jedem in der Belegschaft erleichtern, Ideen einzubringen und innerhalb des gesamten Unternehmens zusammenzuarbeiten.
  • Die richtigen Werkzeuge Ineffiziente Prozesse und langsame Technologien können die Bemühungen einer Führungskraft untergraben. Schwächeres Engagement beginnt oft mit relativ kleinen Frustrationen und wächst so lange, bis ein Mitarbeiter deutlich weniger produktiv wird oder das Unternehmen verlässt.

Natürlich ist es einfach für Mitarbeiter, der Geschäftsführung die Schuld für die eigenen Misserfolge zuzuschreiben, aber die Anzahl der Mitarbeiter, die auf dieses Problem aufmerksam machen, ist ein Grund zur Besorgnis. Die Geschäftsführung ist jedoch nicht das einzige Problem. Im Rahmen der Workforce View in Europe 2019 wurde anhand der Befragungsergebnisse deutlich, dass Stress und psychische Gesundheitsprobleme weiterhin die Effizienz der europäischen Beschäftigten beeinträchtigen. Auch wenn die Zahlen im Vergleich zum vorherigen Jahr etwas zurückgegangen sind, sind sie dennoch beunruhigend hoch, denn nur einer von acht Beschäftigten gab an, niemals Stress zu haben. Mehr als jeder Sechste hingegen fühlt sich jeden Tag bei der Arbeit gestresst

In Deutschland bremst auch Personalmangel die Produktivität. Stress am Arbeitsplatz scheint zum Glück jedoch keins der größten Probleme zu sein. Arbeitgeber in Deutschland haben die Vorteile der Behandlung von psychischen Gesundheitsproblemen erkannt. In der Tat ist die Anzahl der Mitarbeiter, die finden, dass ihre Arbeitgeber sich nicht um ihr psychisches Wohlergehen kümmern, die niedrigste in Europa.

Wer seinem Personal bei Problemen Unterstützung bietet, sendet anderen Mitarbeitern dadurch eine positive Botschaft über die Kultur eines Unternehmens. Wir müssen jedoch weiterhin nach Methoden suchen, die verhindern, dass Stress zu einem größeren Problem wird. Gemäß einer kürzlich erfolgten EU-Studie kostet mangelhafte psychische Gesundheit die Arbeitgeber und das Gesundheitswesen in ganz Europa rund 240 Milliarden Euro pro Jahr.1 Die Sicherstellung, dass die Beschäftigten die richtigen Fähigkeiten haben und Unterstützung bekommen, ist ebenso wichtig wie ihre Möglichkeit, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben zu erreichen.

Diskussionen über das Arbeiten in einer Vier-Tage-Woche haben zu weiteren Überlegungen angeregt. Deutschland hat gerade die höchste Anzahl an Beschäftigten (71%), die Überstunden machen, einschließlich in der Mittagspause und am Wochenende. Daher würde eine Richtlinie, die „Kurzarbeit“ verlangt und auch Arbeitslosigkeit bekämpfen soll, durch eine kürzere Arbeitswoche unterstützt. Es gibt sogar Studien, deren Ergebnisse zeigen, dass so die Produktion gefördert werden könnte. Ein britisches Unternehmen hat kürzlich eine Vier-Tage-Woche eingeführt, nachdem während eines Probezeitraums die Leistung Anzeichen von Wachstum gezeigt hatte.2

Es überrascht wahrscheinlich, dass 22% der europäischen Beschäftigten es bevorzugen würden, vier Tage pro Woche mit normalen Arbeitszeiten für einen geringeren Lohn zu arbeiten. Freilich bedeutet das, dass 78% dies nicht tun würden, aber Arbeitgeber, die neue Möglichkeiten erkunden möchten, um Produktivitätsprobleme zu bewältigen, sollten auch auf ihre Mitarbeiter hören.

 

 

  1. https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/mental_health/docs/compass_2017workplace_en.pdf
  2. https://www.theguardian.com/money/2018/nov/05/firms-switched-four-day-week-increase-efficiency-health-happiness

Lesen Sie unseren Blogbeitrag